Erholungsgebiet mit hoher Naturschutzdichte
08.09.2010
Die ersten Strahlen der Morgensonne durchdringen die Nebelschwaden über der Thülsfelder Talsperre. Umrisse des anderen Ufers werden sichtbar, einige Inseln tauchen auf, die dicht mit Bäumen und Sträuchern bewachsen sind. Ein herrlicher Spätsommertag an einem ungewöhnlichen See beginnt. Die Thülsfelder Talsperre ist eines von mehreren Natur- und Landschaftsschutzgebieten im gleichnamigen Erholungsgebiet. Spaziergänger und Radfahrer erleben hier abgeschiedene Stille und eine herrliche, unberührt wirkende Tier- und Pflanzenwelt. Umfangreiche Natur- und Landschaftsschutzprogramme sollen die artenreichen Naturschauplätze dauerhaft erhalten. Die Thülsfelder Talsperre - die einzige in Nordwestdeutschland - liegt auf einem Geestrücken der norddeutschen Tiefebene, rund zehn Kilometer von Cloppenburg entfernt. Schon in den zwanziger Jahren wurde das von dem Flüsschen Soeste durchlaufene Gewässer aufgestaut. Seitdem wird das Land am Unterlauf des Flusses, das vorwiegend landwirtschaftlich genutzt wird, vor Überflutungen geschützt.
Für (Kurz)-Urlauber ist das seit 1938 unter Naturschutz stehende, schärenähnliche Gewässer mit seinen grandiosen Landschaften ein erholsamer und anregender Ort zugleich. Ein Informations- und Lehrpfad macht die Gäste mit den 250 verschiedenen Pflanzenarten sowie 230 Schmetterlings-, 205 Vogel- und 30 Libellenarten bekannt, die rund um den See in Kleinmooren, Schilfzonen, Wehsanddünen und ausgedehnten Heidefläche leben. Viele davon sind vom Aussterben bedroht. Da die Talsperre ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung ist, wurde es in das europäische Programm „Flora-Fauna-Habitat“ (FFH) aufgenommen.
„Oh schaurig ist es übers Moor zu gehen“, zitiert die Gästeführerin, die über den Moorlehrpfad im Naturschutzgebiet „Molberger Dose“ führt, aus alten Zeiten. Heute ist es überhaupt nicht mehr schaurig, in ein solches Gebiet zu gehen. Niemand braucht Angst zu haben, bei lebendigem Leib im Moor begraben zu werden, weil er den rechten Weg nicht findet. Vom Parkplatz unweit der Landstraße von Molbergen nach Peheim aus führt ein 2,5 Kilometer langer, gut ausgeschilderter Lehrpfad an zehn Stationen vorbei. Anhand von Darstellungen, Schildern und Tafeln werden die Tier- und Pflanzenwelt sowie die Folgen des menschlichen Eingriffs in den Naturraum Hochmoor erläutert.
Natur pur – das trifft auch auf den Urwald Baumweg zu, der acht Kilometer nordöstlich von Cloppenburg an der Straße nach Ahlhorn inmitten eines 58 Hektar großen Waldkomplexes liegt. Der Urwald macht seinem Namen alle Ehre, denn seit er in den dreißiger Jahren als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, wird er forstlich nicht mehr bewirtschaftet. Das heute urig, verwachsene Bild des Waldes ist das Ergebnis der planlosen Waldnutzung früherer Generationen. Bizarr ragt der alte Baumbestand dem Spaziergänger auf seinem Entdeckungsgang entgegen. Die Fülle von Baum- und Straucharten, die ausgeprägten, verschiedenen Altersstufen und das zahlreiche Alt- und Totholz bieten vielen Tieren Nahrung und Lebensraum. Reh- und Damwild, verschiedenste Insektenarten sowie Pilze und Maiglöckchen finden hier ihre ökologischen Nischen.
Idylle pur bietet das Markatal, das sich auf zwölf Kilometern Länge durch die östlichen Ausläufer des Hümmlings schlängelt. Die Marka entspringt etwa 20 Kilometer von Cloppenburg entfernt zwischen Lindern und Werlte. Ungewöhnlich ist, dass sich ein kurzer Quellfluß gabelt und dann als Mittelradde nach Süden und als Marka nach Norden fließt. Das Markatal ist aufgrund seiner Naturnähe und der hohen Wasserqualität des Baches ein Paradies für die Tier- und Pflanzenwelt. Röhrichte und Rietflächen wechseln mit Feuchtwiesen und Bruchwäldern. Fische, Amphibien und Reptilien sind hier ebenso beheimatet wie zahlreiche Brutvögel.
Wanderungen durch diese wunderschönen Naturschutzgebiete können Besucher auf eigene Faust unternehmen oder sich von einer der Gästeführerinnen leiten lassen. Auskünfte gibt es beim Erholungsgebiet Thülsfelder Talsperre e. V., Telefon: 04471/15256.








